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LogTech News 04/2026

Amazon, Joybuy und FedEx drehen am Tempo. Delivery Heros Investoren an der Strategie.

Anna-Philine Lübbke
April 7, 2026
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Willkommen zurück!

Der April ist im vollen Gange, und in den letzten Wochen war wieder einiges los. Amazon rollt 1-Stunden-Lieferung in den USA aus und eröffnet Dark Stores in London, Joybuy ist in sechs europäischen Märkten mit Same-Day als Standard gestartet, und FedEx bedient sich am 3PL-Orchestrierungs-Playbook, das wir hier seit Monaten verfolgen. Gleichzeitig hat Delivery Hero die besten Finanzergebnisse seiner Geschichte vorgelegt – und steht trotzdem vor einem Aktionärsaufstand. Wir analysieren, was das für das Unternehmen und die europäische Lieferlandschaft bedeutet.

Und wie immer findet ihr die neuesten MotionTools Release Notes am Ende.

📢  Was sich in der Branche getan hat

⚡️ Mehr Tempo, mehr Optionen

Joybuy ist am 16. März offiziell gestartet – in sechs europäischen Märkten (Großbritannien, Deutschland, Niederlande, Frankreich, Belgien und Luxemburg) mit Same-Day-Lieferung als zentrales Versprechen. Vor 11 Uhr bestellen, bis 23 Uhr geliefert, und zwar kostenlos ab 29 Euro. Über 100.000 Produkte von Marken wie Apple, Samsung und Philips, abgewickelt über JD.coms eigenes JoyExpress-Netzwerk mit mehr als 60 Lagern in ganz Europa. Unseren ausführlichen Deep Dive zur Europa-Strategie von JD.com haben wir letzten Monat veröffentlicht – hier nachlesen.

Amazon drückt das Tempo von beiden Seiten des Atlantiks. In den USA wurden 1-Stunden- und 3-Stunden-Lieferoptionen in Hunderten von Städten für über 90.000 Produkte eingeführt. Die neuen Lieferzeiten werden über Amazons Same-Day-Delivery-Standorte abgewickelt, die Picking, Sortierung und Versand unter einem Dach vereinen. In Großbritannien baut Amazon ein Netzwerk von Dark Stores für seinen Schnelllieferdienst Amazon Now auf, der Lebensmittel und Haushaltsartikel in bis zu 30 Minuten verspricht. Vier Standorte sind bereits in London live.

FedEx hat SameDay Local gelauncht, einen neuen US-Service mit Zwei-Stunden- und Same-Day-Lieferung direkt im Checkout. Statt eine eigene Last-Mile-Flotte aufzubauen, setzt FedEx auf eine Partnerschaft mit OneRail und orchestriert ein Netzwerk von über 1.000 lokalen Lieferanbietern: Per KI werden Fahrzeug und Route für jede Bestellung optimal zugeordnet. Ein klassischer Carrier, der sich das 3PL-Orchestrierungs-Playbook zu eigen macht, das wir hier schon länger beobachten.

💰 Wohin das Geld fließt

Amazon hat Rivr übernommen, ein Zürcher Robotik-Startup, dessen vierbeiniger Radroboter (von seinem Gründer als „Hund auf Rollschuhen" beschrieben) Treppen steigen kann, um Pakete bis zur Haustür zu bringen. Die Übernahme signalisiert Amazons Interesse an dem, was Rivr „General Physical AI" für die Last-Mile-Lieferung nennt: Roboter, die den realen Weg zwischen Lieferwagen und Haustür bewältigen können.

Der Drohnenlieferdienst Zipline hat weitere 200 Millionen Dollar eingesammelt und seine Series H damit auf 800 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 7,6 Milliarden Dollar aufgestockt. Dazu kommt ein landesweiter Vertrag in Ruanda für die Platform-2-Drohnen. Die erste Tranche von 600 Millionen Dollar hatten wir im Februar behandelt; dass nur zwei Monate später nachgelegt werden musste, zeigt, wie schnell sich dieser Markt bewegt.

Edeka hat seinen Anteil an Picnic auf rund ein Drittel erhöht, von zuvor 28%, im Rahmen der 430-Millionen-Euro-Finanzierungsrunde des Lieferdienstes. Deutschlands größter Lebensmittelhändler baut sein Investment in Picnic seit Jahren aus. Edeka-Chef Markus Mosa sitzt im Vorstand, und das Unternehmen stützt seine gesamte Online-Lebensmittelstrategie auf Picnic. Unterdessen verlässt Picnic-Deutschland-Mitgründer Frederic Knaudt das Unternehmen nach acht Jahren – Picnic-Mitgründer Michiel Muller übernimmt.

📖 Delivery Hero hat ein globales Lieferimperium aufgebaut. Jetzt könnte es zerschlagen werden.

Am 26. März legte Delivery Hero seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 vor: bereinigtes EBITDA um 30% gestiegen auf 903 Millionen Euro, 250 Millionen Euro Cash-Generierung im zweiten Jahr in Folge und 2,7 Milliarden Euro Liquidität. Auf dem Papier ein Unternehmen auf dem richtigen Kurs. Doch nur sechs Tage zuvor war die Aktie auf 14,80 Euro gefallen – ein Allzeittief. Und zwischendrin forderte der drittgrößte Aktionär die Ablösung des CEO.

Wie kann ein Unternehmen seine bisher besten Ergebnisse vorlegen und gleichzeitig mit einem Aktionärsaufstand über die strategische Ausrichtung konfrontiert sein?

Ein Imperium durch Übernahmen

Delivery Hero wurde 2011 in Berlin gegründet und wuchs durch aggressive M&A zu einer der größten Lieferplattformen der Welt. Die größten Deals: Woowa Brothers (Betreiber von Südkoreas Baemin) bei einer Bewertung von 4 Milliarden Dollar im Jahr 2020, und eine Mehrheitsbeteiligung an Spaniens Glovo bei einer Bewertung von 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2021. Dazu kommen Talabat im Nahen Osten, Foodpanda in Asien und PedidosYa in Lateinamerika – bis 2021 war das Unternehmen in Dutzenden Ländern auf vier Kontinenten aktiv.

Die Aktie erreichte im Januar 2021 ihren Höchststand bei 145,40 Euro. Die Pandemie hatte Essenslieferung zur essenziellen Infrastruktur gemacht, und Delivery Hero war einer der globalen Marktführer. Fünf Jahre später sind rund 90% dieses Wertes vernichtet.

Aktionäre erzwingen eine Kurskorrektur

Ein solcher Wertverlust bleibt bei Investoren nicht unbemerkt. Unter wachsendem Druck kündigte Delivery Hero im Dezember 2025 eine strategische Überprüfung an und beauftragte JP Morgan als Berater. Drei Monate später eskalierte die Lage.

Starke Assets, verfehlte Struktur?

Am 13. März schickte der Hongkonger Investor Aspex Management (9,2% Anteil, drittgrößter Aktionär) einen Brief an CEO Niklas Östberg mit der Warnung vor „weiterer Wertvernichtung". Ihr Argument: Delivery Hero liegt bei der Profitabilität hinter Wettbewerbern wie Uber, Grab, DoorDash und Meituan zurück, die Konglomeratsstruktur könnte Wert vernichten, und das Unternehmen sei möglicherweise nicht der beste Eigentümer für mehrere seiner Assets.

Die Spannungen dahinter sind kaum zu übersehen. Talabat operiert im Milliarden-Dollar-Bereich, Baemin ist auf Wachstumskurs zurückgekehrt, und Glovo expandiert in Europa in hohem Tempo. Trotzdem wird der Konzern nur zu einem Bruchteil dessen gehandelt, was diese Assets einzeln wert sein könnten. Genau diese Lücke ist der Kern von Aspex' Argumentation.

Und sie wird größer, wenn man die strukturellen Kosten berücksichtigt. Glovos Umstellung auf die Festanstellung von rund 15.000 Fahrern in Spanien bringt erhebliche laufende Kosten mit sich. Gleichzeitig steigt der regulatorische Druck: Spanische Arbeitsaufsicht und ein 329-Millionen-Euro-Vergleich im EU-Kartellverfahren haben die Gesamtbelastung durch Strafen und Rückstellungen bereits in den dreistelligen Millionenbereich getrieben. Derweil hat sich Prosus, mit rund 27% der größte Aktionär, im Rahmen der EU-Wettbewerbsauflagen verpflichtet, seinen Anteil deutlich zu reduzieren – die Frist dürfte Mitte 2026 erreicht werden.

Die ersten konkreten Schritte

Zehn Tage nach dem ersten Brief verkündete Delivery Hero den Verkauf seines Foodpanda-Geschäfts in Taiwan an Grab für 600 Millionen Dollar. Östberg nannte es „einen wichtigen ersten Schritt". Aspex konterte, der Deal zeige, dass bereits „erheblicher Wert vernichtet" worden sei, und schickte einen Tag später einen zweiten Brief an den Aufsichtsrat mit der Forderung nach einem vollständigen Wechsel im Management.

Ende März berichtete Bloomberg, dass Prosus erwägt, rund 10% seines Anteils an Aspex zu verkaufen – was den aktivistischen Investor zum größten Anteilseigner machen würde.

Der erste Asset-Verkauf ist eingeleitet, der größte Aktionär steht unter Druck, seine Position abzubauen, und der Markt beobachtet, was als Nächstes kommt. Welche Form das Unternehmen am Ende annimmt – schlanker, aufgespalten oder unter neuer Führung – die Auswirkungen werden weit über den eigenen Aktienkurs hinausgehen.

Warum das über Delivery Hero hinaus relevant ist

Glovos Erfahrung mit Regulierung ist nicht nur wegen Delivery Hero beachtenswert. Die EU-Plattformarbeitsrichtlinie verpflichtet alle Mitgliedstaaten, ihre Vorgaben bis Dezember 2026 in nationales Recht umzusetzen. Die regulatorische Richtung steht fest, und die Kosten sind real – für jeden Lieferdienst in Europa.

Und sollte Delivery Hero tatsächlich umstrukturiert werden, wird auch die Logistikebene neu verhandelt. Wenn integrierte Plattformen fragmentieren, gewinnt lokale Infrastruktur an Bedeutung – für 3PLs und Lieferanbieter ist das eine strukturelle Chance.

Im größeren Bild zeigt sich: Das Playbook der 2010er, global einkaufen und sich später um die Profitabilität kümmern, stößt an seine Grenzen. Was danach kommt, ist regionaler, partnerschaftlicher und operativ dezentraler.

🤝 Community Update

Am 21. April nehmen unsere Gründer Patrick und Marian am 15. Logistik Dinner teil, das der Hamburger Senat im Hamburger Rathaus ausrichtet. Die Veranstaltung wird von der Logistik-Initiative Hamburg organisiert und bringt über 300 Führungskräfte aus der Logistikbranche zusammen – inklusive der Verleihung des HANSE GLOBE 2026, Hamburgs internationalem Preis für nachhaltige Logistik.

Es ist einer der seltenen Abende, an denen das Hamburger Logistik-Ökosystem in einem Raum versammelt ist (und dazu in einem ziemlich beeindruckenden). An unsere Hamburger Community: Falls ihr auch dabei seid, meldet euch bei Marian auf LinkedIn – wir freuen uns auf den Austausch!

🦾 Bessere Technologie für eine Welt in Bewegung

Feature-Highlight: Smartere Auto-Disposition

Wir haben ein intelligenteres Auto-Dispositions-System eingeführt, das Liefergeschwindigkeit und Fahrerproduktivität besser ausbalanciert. Statt Touren immer zu einem festen Zeitpunkt vor der geplanten Abholung zu disponieren, kann das System die Disposition jetzt bewusst um einen konfigurierbaren bzw. dynamischen Zeitraum verzögern, nachdem eine Bestellung eingegangen ist. Dabei wird auch berücksichtigt, wie wahrscheinlich es ist, dass ein passender Stacking-Kandidat gefunden wird. So erhält die Stacking-Engine ein faires Zeitfenster, um für jede Bestellung passende Stacking-Kandidaten zu finden – unabhängig davon, wann sie platziert wurde - und ohne unnötig die Lieferung herauszuzögern.

Zusätzlich berücksichtigt die Stacking-Engine nun geplante Zeitunterschiede deutlich smarter und berücksichtigt welche ETAs dem Kunden bzw. Händler als Abholzeitpunkt versprochen wurde.

Kurzübersicht über weitere Updates:

  • Webhook-Event-Filterung jetzt im Dashboard verfügbar
  • Effizientere Verarbeitung von Fahrer-Standortupdates
  • Automatisiertes Nachtragen von Routen-Schätzungen (Backfill)
  • Verbesserungen auf der Buchung-Detail-Seite

Anstehende Abkündigungen:

  • Aktualisierte Filterbenennung im List-Users-API-Endpunkt

Release Notes im Help-Center lesen

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