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LogTech News 03/2026

Ein ereignisreicher Monat in der Last-Mile-Logistik: Ubers Getir-Deal ist durch, Flink hat frisches Kapital, und JD.com ist mit Milliarden im Gepäck zurück in Europa. Außerdem: die neuesten MotionTools Release Notes.

Anna-Philine Lübbke
March 5, 2026
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Willkommen zurück!

Erinnert ihr euch an 2021? Jede Woche ein neuer Quick-Commerce-Player, Bewertungen, die sich über Nacht verdoppelten, und ein Postfach voller „Wir revolutionieren die Lebensmittellieferung"-Pressemitteilungen. Der letzte Monat hat sich irgendwie ähnlich angefühlt, auch wenn die Branche mittlerweile nicht mehr in den Kinderschuhen steckt.

Wir berichten über Ubers Getir-Übernahme, Flinks Finanzierungsrunde, Wolts Neuerfindung als vollwertiger Online-Supermarkt, JD.coms neue Europa-Wette und vieles mehr. Und wie immer findet ihr die neuesten MotionTools Release Notes am Ende.

Es war viel los, also lasst uns direkt einsteigen.

📢  Was sich in der Branche getan hat

🌍 Uber schließt Getir-Übernahme ab und setzt voll auf Europa

Schon im November hatten wir berichtet, dass Uber Getir für 1 Milliarde Dollar im Visier hatte. Der Deal ist jetzt abgeschlossen: 335 Millionen Dollar in bar für Getirs Liefergeschäft in der Türkei, plus 100 Millionen Dollar für einen 15%-Anteil am Lebensmittel- und Einzelhandelsarm.

Gleichzeitig startet Uber Eats eine große Europa-Offensive und tritt 2026 in Finnland, Österreich, Dänemark, Tschechien, Griechenland, Rumänien und Norwegen ein – mit dem erklärten Ziel, den Bruttobuchungswert in drei Jahren um 1 Milliarde Dollar zu steigern.

Der Schritt nach Finnland ist besonders bemerkenswert: Foodora zog sich nach zehn Jahren aus dem Markt zurück und begründete dies mit einer strategischen Neuausrichtung auf Märkte mit stärkerem Wachstumspotenzial. Uber Eats kündigte seinen Finnland-Start nur wenige Tage später an.

🟢 Flink auf dem Vormarsch: 100 Millionen Euro, Profitabilität und Multi-Plattform-Strategie

Flink hat 100 Millionen Euro frisches Wachstumskapital eingesammelt, angeführt von Prosus und dem neuen Investor Btomorrow Ventures. Mit 160 Hubs, 22,5 Millionen Menschen in Reichweite und bestätigter EBITDA-Profitabilität liegt die Bewertung bei rund 900 Millionen Euro.

Strategisch geht Flink ebenfalls in die Offensive: nach monatelanger Lieferando-Exklusivität wieder auf Wolt in 40+ Städten präsent, und Berichten zufolge verleiht Flink Fahrer an Uber Eats für Restaurantlieferungen außerhalb der Stoßzeiten. Maximale Plattformpräsenz, volle Flottenauslastung – ein cleverer Weg, effizient zu skalieren, ohne die Kosten proportional zu erhöhen.

🛒 Wolt Market: vom Quick Commerce zum Wocheneinkauf

Wolt Market hat diesen Monat einen kompletten Relaunch hingelegt. Neuer Markenauftritt, erweitertes Sortiment und eine produktzentrierte Nutzererfahrung, die auf den vollständigen Wocheneinkauf ausgelegt ist – nicht nur für schnelle Snacks am Abend. Der 13. deutsche Standort eröffnete in Düsseldorf.

Der Schwenk von „Quick Commerce" zu „Online-Supermarkt" ist bewusst. Wolt setzt darauf, dass das Dark-Store-Modell erwachsen werden kann und dass Kunden bereit sind, ihren kompletten Einkauf über die App zu erledigen.

📉 Delivery Hero: Wachstum und  Baustellen

Delivery Hero verzeichnete 2025 stärkeres Wachstum und eine verbesserte Profitabilität und positioniert sich als die „Everyday App" in seinen Märkten.

Doch der Druck wächst. Investoren drängen auf einen strategischen Umbau, manche fordern eine Zerschlagung des Unternehmens. Glovo sieht sich in Italien mit einer Gerichtsentscheidung konfrontiert, bis zu 40.000 Fahrer zu regularisieren. Die Aktie liegt mehr als 85% unter ihrem Höchststand von 2021, und Großaktionär Prosus ist im Rahmen der EU-Wettbewerbsauflagen verpflichtet, seinen 27,4%-Anteil innerhalb von 12 Monaten nach Abschluss der Just-Eat-Takeaway-Übernahme auf unter 5% zu reduzieren. Eine Frist, die voraussichtlich Mitte 2026 erreicht wird.

📦 Amazon: Same-Day für alle und alles

Amazons Same-Day-Lieferungen stiegen 2025 um fast 70% im Jahresvergleich – fast 100 Millionen US-Kunden nutzten den Service, wobei Lebensmittel und Alltagsprodukte die Hälfte aller Same- oder Next-Day-Lieferungen ausmachten. Frische Lebensmittel erreichen mittlerweile über 2.300 US-Städte und die Zahl der Same-Day-Kunden im ländlichen Raum hat sich fast verdoppelt. Amazon Now (30-Minuten-Lieferung) wird in den USA und Großbritannien getestet während Prime-Mitglieder in Indien ihre Bestellfrequenz verdreifacht haben.

Und das Wachstum geht immer weiter: Amazon Pharmacy weitete Same-Day auf 4.500 US-Städte aus, und in Großbritannien vertiefte Amazon seine Lebensmittelpartnerschaft mit Iceland auf nationaler Ebene.

🌐 Costco startet Same-Day in Europa

Costco hat seine ersten europäischen Same-Day-Delivery-Websites in Frankreich und Spanien gelauncht – mit Abdeckung in Paris, Mulhouse, Bilbao, Madrid, Sevilla und Saragossa. Die Plattform dahinter: Instacart Storefront Pro und damit auch Instacarts erstes europäisches Projekt. Gleiche Preise wie im Laden, pauschale Servicegebühr.

Erwähnenswert: Wir haben die Wolt/Costco-Partnerschaft in Schweden bereits im Oktober erwähnt. Costco baut seinen europäischen Lieferfußabdruck offensichtlich weiter durch Partnerschaften aus.

🇩🇪 Coolblue expandiert weiter in Deutschland

Coolblues deutscher Umsatz wuchs 2025 um 30% auf 307 Millionen Euro, angetrieben von drei neuen Filialen und vier neuen Logistikzentren, die die eigene Liefer- und Installationsabdeckung verdoppelten.

Die Ambitionen sind klar: Deutschland soll bis 2029 Coolblues wichtigster Markt werden. Um das zu erreichen, eröffnet der niederländische Elektronikhändler dieses Jahr drei weitere Logistikzentren – beginnend mit Nürnberg diesen Monat, gefolgt von Leipzig und München später im Jahr – sowie mindestens drei neue Filialen in Berlin, Leipzig und Dresden.

🤖 Autonome Lieferungen: zwei neue Projekte auf der Straße

Just Eat testet Lieferroboter in Sunderland, Großbritannien – und reiht sich damit in eine wachsende Gruppe ein, zu der in den letzten sechs Monaten bereits Rewe, DoorDash, Uber Eats und Starship gestoßen sind.

In Belgien unternimmt Colruyt einen zweiten Anlauf mit autonomer Lieferung in Leuven – aufbauend auf einem früheren Pilotprojekt mit einer neuen autonomen Lösung.

📖 JD.com hat Europa zweimal versucht und ist gescheitert. Jetzt setzen sie Milliarden auf Last-Mile-Logistik.

Diesen Monat launcht JD.com Joybuy in sechs europäischen Märkten: eine Vollsortiment-Online-Handelsplattform mit eigenem Expresslieferdienst, einem Netzwerk von über 60 Lagern und Depots und einem 2,2-Milliarden-Euro-Übernahmedeal, der kurz vor dem Abschluss steht. Ein mutiger Schritt.

Und gleichzeitig ihr dritter Versuch, diesen Markt zu knacken. Die ersten beiden haben nicht funktioniert – aber aller guten Dinge sind drei, wie man so sagt. Und worauf sie diesmal setzen, sagt viel darüber aus, wohin sich die europäische E-Commerce-Logistik entwickelt.

Ein Jahrzehnt an Umwegen

JD.coms europäische Ambitionen haben eine bewegte Geschichte. Joybuy 1.0 (2015–2021) war ein grenzüberschreitender Marktplatz ohne lokale Präsenz und ohne die Möglichkeit, bei der Liefergeschwindigkeit zu punkten. Er konnte mit AliExpress nicht mithalten und verschwand still und leise.

Dann kam Ochama (2022–2025): Hightech-Lager und Roboter-Stores in den Niederlanden, die keinen Weg in den Mainstream fanden. Die Strategie wechselte mehrfach die Richtung, Führungskräfte verließen das Unternehmen innerhalb eines Jahres, und die Expansion in 24 Länder ohne echte Dichte machte es schwer, ein tragfähiges Geschäft aufzubauen.

Zwei verschiedene Ansätze, dasselbe Ergebnis.

Mit Logistikinfrastruktur in die Offensive

JD.com stellte Ochama 2025 ein und richtete seine Europa-Strategie auf Joybuy aus – mit Fokus auf sechs Märkte: Großbritannien, Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Belgien und Luxemburg. Diesmal spielt eine diversifizierte Logistikinfrastruktur von Anfang an eine zentrale Rolle.

Auf der Angebotsseite begann Lekkerland (Rewe Group), den deutschen Marktplatz zu bestücken, und DHL unterzeichnete ein MoU, um deutschen Marken den Verkauf über Joybuy nach China und Europa zu ermöglichen.

Im Juli 2025 legte JD.com ein 2,2-Milliarden-Euro-Übernahmeangebot für Ceconomy vor, die Muttergesellschaft von MediaMarkt und Saturn. Ein erfolgreicher Abschluss würde JD.com Zugang zu über 1.000 Filialen in 11 europäischen Ländern verschaffen. Über den reinen Einzelhandelsfußabdruck hinaus könnten diese Filialen als Fulfillment-Hubs, Abholpunkte und Servicezentren dienen – und JD.com eine physische Logistikdichte verschaffen, für die Wettbewerber Jahrzehnte gebraucht haben. Der Abschluss wird für das erste Halbjahr 2026 erwartet, vorbehaltlich der finalen regulatorischen Genehmigungen.

Im Februar 2026 ging dann JoyExpress live: JD.coms eigener europäischer Lieferdienst mit gebrandeten Trucks, Vans und E-Bikes, die von über 60 Lagern und Depots aus operieren. Same-Day- und Next-Day-Lieferung in Großstädten, mit Teams in Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden und Frankreich. Und entscheidend: JD Logistics plant, JoyExpress für externe Geschäftspartner zu öffnen, sobald die Paketvolumen wachsen – und positioniert es damit langfristig als potenzielle 3PL-Plattform.

Das ist kein Zufall. JD.com hat beobachtet, wie sich der europäische Markt in Richtung schneller, lokaler Lieferung als Wettbewerbsstandard verschoben hat – und seinen dritten Anlauf genau darauf aufgebaut.

Warum das über JD.com hinaus relevant ist

Wenn ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von knapp 180 Milliarden Dollar und einer der fortschrittlichsten Supply Chains der Welt Milliarden in europäische Last-Mile-Infrastruktur pumpt, ist das ein Richtungssignal, das man ernst nehmen sollte.

Für den 3PL-Markt im Besonderen gilt: Wenn JoyExpress sein Netzwerk für externe Partner öffnet, bedeutet das einen gut finanzierten neuen Wettbewerber im Kampf um Volumen – aber auch eine potenzielle Nachfragequelle für lokale Anbieter in Regionen, die JD.com alleine nicht abdecken kann. Es ist dieselbe Dynamik, die wir immer wieder beobachten: Plattformen brauchen lokale Logistikpartner zum Skalieren, und 3PLs brauchen gleichmäßige Nachfrage, um ihre Flotten auszulasten.

Wer als Händler oder Logistikanbieter von der Seitenlinie zuschaut, sollte daraus nicht nur eine Lektion über JD.com ziehen. Sondern eine über die Richtung, in die sich der europäische E-Commerce insgesamt bewegt: Die Unternehmen, die ihn von allen Seiten prägen, kommen zum selben Schluss – schnelle, lokale Lieferinfrastruktur ist das Spiel, das jetzt gespielt wird.

📆 Events im März

Zwei Städte, zwei Events, eine Woche: Mitte März stehen eine Messe und ein Summit auf dem Programm, bei denen wir dabei sind:

Die Internorga ist die führende Fachmesse für die Foodservice- und Hospitality-Branche – genau das richtige Umfeld, wo Food und Last-Mile-Logistik aufeinandertreffen. Der Leaders in Logistics Summit bringt über 1.100 Entscheidungsträger aus Handel, Speditionen und 3PLs zusammen, um die Zukunft der E-Commerce-Logistik zu diskutieren.

Unser Mitgründer Marian-Maximilian ist vor Ort und freut sich auf den Austausch. Meldet euch gerne auf LinkedIn, wenn ihr dabei seid!

🦾 Bessere Technologie für eine Welt in Bewegung

Feature-Highlight: Retourenprozess

Wir arbeiten an einem standardisierten Retourenprozess – einem definierten Ablauf für den Fall, dass ein Fahrer eine nicht zustellbare Bestellung zum ursprünglichen Abholort zurückbringen muss. So entsteht ein konsistenter, plattformweit definierter Ablauf für fehlgeschlagene Zustellungen in allen Mandanten.

Kurzübersicht über weitere Updates:

  • Auftragsbasiertes Eigenschaften-Upgrading
  • Ziel-Organisation für Fahrer-Einladungen
  • Der booking.in_progress Webhook wird jetzt bei Änderungen von aktiven Touren ausgelöst
  • Aktualisiertes „Stopp hinzufügen“-Modal auf den Buchungs- und Tourdetailseiten

Release Notes im Help-Center lesen

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